Der Würzwisch

Mit dem zunehmenden Interesse an den natürlichen Heilkräften der Pflanzen findet der überlieferte Brauch der Kräutersegnung wieder vermehrt Beachtung.

Alte Schriften verzeichnen 77 Pflanzenarten, die in einen Würzwisch gehören.

Hier die Pflanzen, zum Teil in ihren umgangssprachlichen Bezeichnungen, in der Reihenfolge, in der sie im Kirchenbuch von Schwanheim um 1900 aufgeführt wurden:

Johanniskraut
Jungfrau-Bettstroh
Weinkränzel
Blutkraut
Baumnuss
Jungfrau-Haar
Blutstropfen
Hosenknöpf
Kunkeln
Pfefferminz
Tausendgüldenkraut
Strehl
Breurosen
Haselnuss
Quendel
Wermut
Salbei
Hanf

In anderen Orten nahm man auch die folgenden Pflanzen, wieder in bunter Reihenfolge, dazu:

Ampfer/Rost (Samenstände)
Beifuß
Schafgarbe
Wilde Möhre (Körbchen)
Bibernelle
Dost
Leinkraut
Kohldistel
Echtes Labkraut
Ringelblume
Spitzwegerich
Wegwarte
Odermennig
Zinnkraut
Goldrute
Malve
Kamille
Melisse
Hirtentäschel
Blutwurz
Wundklee
Frauenmantel
Erika
Stiefmütterchen
Nelkenwur
Estragon
Boretsch
Liebstöckel
Lavendel
Eibisch
Eisenkraut
Getreide
Rosmarin
Zwiebel
Ysop

Das ist nur eine Auswahl der genutzten Blumen und Kräuter, aber sie zeigt, dass die Pflanzen weder dornig noch giftig sein dürfen.

Ein Teil des Würzwisches wurde traditionell an Weihnachten an die Stalltiere verfüttert und bei Krankheit von Mensch und Tier als Heilmittel verwandt.

Nach der Segnung des Heilpflanzenstraußes, die wir auch selber vornehmen können am Tag des Festes Maria Himmelfahrt, das am 15. August gefeiert wird, wurde der Würzwisch auf den Dachboden gehängt. Er soll das Haus und seine Bewohner vor allem Bösen beschützen und gilt auch als Dank an unseren Schöpfer und die Erde für die wunderbaren Gaben der Natur. Man hätte früher die Reste des Würzwisches, wenn er nach einem Jahr durch den frischen ersetzt worden war, nie auf den Komposthaufen geworfen. Er wurde zeremoniell im Herdfeuer verbrannt. Heute finde ich es eine schöne Geste, die Pflanzenreste und Samen wieder in die Natur zu bringen.

 

 

Wuerzwisch

 

 

 

 

 

 

 

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